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31. Mai 2026

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Mobilität · Bd. I

Tarif A, B, C: Die BVG-Struktur im Jahr 2026

Stand der Berliner Tarifgebiete A, B und C, die Streiks der vergangenen zwei Tarifrunden und der schleppende Übergang nach dem Deutschland-Ticket — eine nüchterne Bilanz.

Die Berliner Verkehrsbetriebe, kurz BVG, betreiben seit 1929 das städtische Nahverkehrsnetz der Hauptstadt. Sie verantworten die zehn U-Bahn-Linien U1 bis U9 sowie U12, insgesamt 175 Bahnhöfe, dazu Tram, Bus und einen Fährbetrieb. Die S-Bahn Berlin GmbH, seit 1995 eine Tochter der Deutschen Bahn, ergänzt das Netz mit sechzehn Linien. Beide bedienen das Tarifgebiet des Verkehrsverbund Berlin-Brandenburg, der die Struktur A, B, C bis heute trägt.

Drei Zonen, eine Logik

Tarifgebiet A umfasst die Innenstadt innerhalb des S-Bahn-Rings — von der Frankfurter Allee bis zur Bornholmer Straße, vom Westkreuz bis zum Treptower Park. Tarifgebiet B reicht vom Ring bis zur Stadtgrenze. Es schließt die äußeren Ortsteile von Spandau, Reinickendorf, Marzahn-Hellersdorf, Treptow-Köpenick und Steglitz-Zehlendorf ein. Tarifgebiet C beginnt jenseits der Berliner Landesgrenze und reicht bis ins Brandenburger Umland: Potsdam, Königs Wusterhausen, Bernau, Oranienburg, Hennigsdorf, Strausberg.

Das Standardticket AB kostet im Mai 2026 vier Euro im Einzelfahrschein-Tarif, BC liegt bei vier Euro fünfzig, ABC bei fünf Euro fünfzig. Die Tageskarte AB liegt bei zehn Euro sechzig, das Monatsabo bei knapp 110 Euro. Wer die Stadtgrenze überquert — etwa für den S-Bahn-Anschluss nach Potsdam Hauptbahnhof oder den Regionalzug zum BER —, zahlt für die Zone C zusätzlich. Die Logik ist seit der Tarifreform 2008 unverändert, die Beträge wurden in den vergangenen Jahren mehrfach angepasst.

Das Deutschland-Ticket als Bruchlinie

Seit Mai 2023 verändert das deutschlandweit gültige 49-Euro-Ticket — seit Januar 2024 auf 49 Euro, seit Januar 2025 auf 58 Euro angehoben, im Mai 2026 bei 63 Euro — die Tarifökonomie des Verbunds. Wer in Berlin pendelt, hat seit der Einführung de facto die Wahl zwischen dem regulären AB-Monatsabo und dem bundesweit gültigen Ticket, das zwar teurer ist, aber jeden Regionalzug zwischen Aachen und Görlitz einschließt. Der Verband Berlin-Brandenburg zählt seither rund 1,4 Millionen aktive Deutschland-Ticket-Nutzende im eigenen Gebiet.

Die Konsequenz für die BVG: Die Erlöse aus dem Stamm-Abonnement sind gesunken, der Ausgleich durch Bundes- und Landesmittel ist politisch jährlich neu zu verhandeln. Berlin und Brandenburg haben sich im Koalitionsvertrag des Senats darauf verständigt, die eigene Tarifstruktur zunächst weiter zu betreiben, mittelfristig aber eine Verzahnung mit dem Deutschland-Ticket zu prüfen. Bislang gibt es kein konkretes Reformpapier.

Verdi, zwei Streikrunden, ein offener Tarifkonflikt

Die Tarifrunden 2024 und 2025 prägten den Berliner Nahverkehr stärker als jede Strukturdebatte. Verdi forderte für die Beschäftigten der BVG eine monatliche Lohnerhöhung von 750 Euro, eine 13. Monatszahlung sowie eine Verkürzung der Wochenarbeitszeit. Die Gewerkschaft rief im Februar 2024 zu einem 24-stündigen Warnstreik auf, im März 2024 zu einem dreitägigen Vollstreik, der den gesamten U-Bahn- und Bus-Betrieb stilllegte. Im Februar 2025 folgte eine weitere Streikrunde.

Die Tarifeinigung im Mai 2025 brachte eine schrittweise Anhebung um sieben Prozent über zwei Jahre, eine Einmalzahlung von 3000 Euro und eine reduzierte Wochenarbeitszeit ab 2027. Der Konflikt um die Personaldecke — die BVG meldet rund 700 unbesetzte Stellen im Fahrdienst — bleibt allerdings ungelöst. Mehrere U-Bahn-Linien fahren in Tagesrandzeiten und am Wochenende seit Herbst 2025 in ausgedünntem Takt.

Hamburg, München und die Frage der Subvention

Ein Blick auf die HVV-Tarifstruktur im Hamburger Verkehrsverbund zeigt, wie weit die Berliner Lösung von einem reformierten Modell entfernt ist. Der HVV arbeitet seit Januar 2024 mit einem vereinfachten Zonen-Modell und einer eigenen vergünstigten Variante des Deutschland-Tickets für Auszubildende und Studierende. München kennt seit Dezember 2022 das M-Tarifsystem, das die alten Ringe abgelöst hat.

Berlin zögert. Der Senat unter Kai Wegner hat im Februar 2026 angekündigt, eine Tarifkommission einzusetzen, deren Ergebnisse zum Fahrplanwechsel im Dezember 2027 vorliegen sollen. Die SPD-Fraktion innerhalb der Koalition drängt auf eine sozial gestaffelte Variante mit Berlin-Pass-Tarif zu 9 Euro im Monat, die CDU verweist auf die Belastung des Landeshaushalts.

Die Tarifgebiete A, B und C bleiben damit bis auf Weiteres das Gerüst der Berliner Nahverkehrsökonomie — bewährt, vertraut und im Vergleich zu anderen deutschen Großstädten zunehmend rückständig.


Ressort: Mobilität